Das Triumvirat der Diktatoren

iran-flags-1Teheran, U-Bahn-Station Talequani. Hier steht sie auf Beton gemalt – die unversöhnliche, die ewige Feindschaft des Iran mit Amerika: „Down with USA“. Hinter der Mauer verbirgt sich die einstige amerikanische Botschaft im Iran. Von hier aus wurde der 1953 der Putsch gegen den demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh organisiert, der eine Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie durchgesetzt hatte. 1979 spielte sich hier die dramatische Geiselnahme von amerikanischen Botschaftsangehörigen ab, welche die Vereinigten Staaten mehr als ein Jahr lang in Atem hielt. Heute bietet dieser Ort ein Panorama der ideogischen Grundlagen der Islamischen Republik: eine Freiheitsstatue mit Totenkopf-Gesicht, Zeichnungen von Soldaten im Irakisch-Iranischen Krieges der 1980er Jahre, und ein Sammelsurium von anti-amerikanischen Zitaten der großen Mäner der Islamischen Revolution.

„Das stimmt nicht.“ Im Vorbeigehen fühlt sich ein Passant mit Blick auf die Mauerbilder bemüßigt zu betonen: „Amerika ist gut.“ Er bringt damit zum Ausdruck, was viele hier in Teheran denken. Je stärker sie sich von ihrer Regierung und der Islamischen Republik abwenden, desto faszinierter und hoffnungsvoller blicken sie nach Amerika. Die Fastfood-Kultur haben sie schon übernommen, doch der Kampf um universale Freiheitsrechte muss noch ausgetragen werden. „Es heißt, der Westen hielte unseren Präsidenten Ahmadinedschad für gefährlich“, sagt ein Mann mittleren Alters in einer Straße von Esfahan vorwurfsvoll. „Warum helft ihr dann dem iranischen Volk nicht? Manchmal gewinnt man den Eindruck, die westlichen Regierungen seien insgeheim Freunde unseres Regimes.“ Eine naive Forderung, wie sie nicht selten von radikalen Oppositionellen erhoben wird. So fleht ein junger Mann, der in einer Stadt an der Golfküste lebt, geradezu um Sanktionen gegen sein eigenes Land: „Der Westen und die Vereinten Nationen tun bisher viel zu wenig. Sie müssten den Iran vollständig isolieren und einen totalen Boykott verhängen, nur das würde die Regierung richtig unter Druck setzen.“

tehran-us-embassy-1Doch schon im nächsten Moment gibt er zu, dass eine solche Politik nicht viel ausrichten würde: „Ja, es gibt ein Problem dabei – Russland und China. Sie werden unsere Regierung weiter stützen, weil sie wirtschaftlich davon profitieren.“ In den Augen vieler gebildeter Iraner sind sie die internationalen Bösewichte – Wladimir Putin und Hu Jintao, die mit Mahmud Ahmadinedschad gemeinsame Sache machen. „Da haben sich die Diktatoren gegenseitig gesucht und gefunden“, sagt ein junger Teheraner bitter. Über seinen eigenen Präsidenten urteilt er spöttisch: „Er ist ein Zirkusaffe, nicht mehr. Aber leider blamiert er uns immer wieder vor der Weltöffentlichkeit. Und dass er ständig von Israel faselt, ist wirklich krankhaft. Als wenn wir keine anderen Probleme hätten als den Nahostkonflikt.“

Das sieht auch der Mann von der Golfküste so. Der Iran sei ein reiches Land, klagt er, aber die Mächtigen beuten es aus, um den Terrorismus zu finanzieren. Er bezieht seine Informationen offenkundig aus den westlichen Medien, als er zornig erklärt: „Sie unterstützen die Hisbollah, aber ich hasse die Hisbollah aus tiefstem Herzen. Sie wollen mich zwingen, für Palästina zu sein, aber ich stehe gar nicht hinter der Sache Palästinas. Diese Regierung vertritt nicht die iran-flags-2Interessen des Volkes.“ Wie so viele in seiner Generation träumt er davon, dem Iran den Rücken zu kehren und zum Master- oder Promotionsstudium nach Europa oder Amerika zu gehen. Es sind die dynamischsten und intelligentesten unter den jungen Iranern, die seit vielen Jahren in den Westen strömen, weil sie nach Bildung auf internationalem Niveau streben, nach besseren Berufsperspektiven – und nach Freiheit. Zusammen mit den Redakteuren von BBC World, Voice of America und Deutscher Welle sind sie Garanten dafür, dass die antiamerikanische Propaganda der Regierung zumindest in den Großstädten nur noch für Spott sorgt.

„Obama hat die iranische Jugend ungemein inspiriert“, erinnert sich ein junger Teheraner. „Wir haben während der US-Präsidentenwahlen 2008 allesamt gebannt nach Amerika geblickt und mitgefiebert. Und die Kairoer Grundsatzrede zum Verhältnis zwischen der westlichen und der muslimischen Welt war richtig gut. Sie ist natürlich nie ins Persische übersetzt worden, aber viele von uns haben sie auf Englisch gelesen und waren begeistert.“

Und ein Mann in Esfahan erzählt amüsiert die Geschichte von einer offiziellen Kundgebung am Tag der Solidarität mit Palästina, die von der Opposition gekapert wurde: „Der Vorsprecher rief – wie immer – ins Mikrofon: ‚Nieder mit den USA!‘ Aber die Menge antwortete: ‚Nieder mit Russland und China!‘“

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