Der Pamir-Highway im Schnee

23. Dezember 2009

pamir_snow_9Das Pamir-Gebirge ist grau geworden. Es ist noch nicht lange her, dass das Tal des Flusses Gunt in sommerliches Grün getaucht war. Doch inzwischen sind die Blätter von den Bäumen gefallen und haben den Weg frei gemacht für die Farbmonotonie der graubraunen Berghänge, vor deren Hintergrund sich die lehmbraunen Pamir-Häuser kaum abheben. Trist und wolkenverhangen ist der Himmel, und in den Dörfern sind kaum Menschen unterwegs. weiter…

Im Tauchgang

8. Dezember 2009

tauchgang_01Es ist Herbst geworden. Wolkenverhangen ist der Himmel, als wir in Dushanbe losfahren, der Hauptstadt Tadschikistans. Noch ist die Sicht klar, als wir auf der modernen Asphaltstraße durch den neuen Tunnel brausen, den der Präsident erst vor zwei Monaten eingeweiht hat, und sich dahinter der Ausblick über den Nurek-Stausee eröffnet. Dann, irgendwo vor Kuljab, der zweitgrößten Stadt des Landes, beginnt es zu regnen. Nicht heftig, aber so ungemütlich, als wollte es nie wieder aufhören. Hinter Kuljab geht es hoch in die Berge und dann in Serpentinen wieder hinunter ins Tal des Flusses Pjandsch, der Tadschikistan von Afghanistan trennt. Von der Asphaltstraße ist hier nicht viel mehr geblieben als eine kurvige Piste, die manchmal von Schotter bedeckt ist und manchmal von Matsch. Dichter Nebel beschränkt die Sichtweite auf wenige Meter, doch glücklicherweise weist das eine noch funktionierende Rücklicht des Lastwagens vor uns den Weg ins Tal. weiter…

Der Besuch des Aga Khan

29. November 2009

aga-khan-01Dunkelheit hat sich über die Stadt gelegt. Nur die Straßenkreuzung auf der Südseite des Flusses Gunt ist hell erleuchtet, stolze Autobesitzer waschen hier mit Wasserschläuchen ihre Wagen. Auf der anderen Flussseite werden im Hauptgebäude der Aga Khan Stiftung Girlanden und Weihnachtsbaumschmuck aufgehängt. Eine Dampfwalze kämpft sich ihren Weg durch die Dunkelheit, um den frischen Teerbelag zu glätten, der die tiefen Schlaglöcher auf der Lenin-Straße unsichtbar macht. Khorog putzt sich heraus für den Besuch des Aga Khan, des religiösen Oberhaupts der Ismailiten. Fast alle gehören sie dieser Glaubensrichtung des Islam an, die Bewohner des tadschikischen Pamir-Gebirges, und den Aga Khan verehren sie wie einen Gott. Er, der von einem Pariser Vorort aus ein Wirtschaftsimperium regiert, hat den Pamir durchgefüttert, als die Zentralregierung während des Bürgerkriegs 1992 und 1993 die rebellische Provinz auszuhungern versuchte. Das haben sie ihm hier nicht vergessen, ebenso wenig die Dollarmillionen, die er seitdem über seine Stiftung und deren Hilfsorganisationen in die Region gepumpt hat. weiter…

Der Pamir-Highway in Bildern

23. November 2009

dsc_0496Die Straße scheint endlos zu sein. Kilometer um Kilometer geht es geradeaus, ohne Gegenverkehr und ohne ein Anzeichen von Zivilisation. Hier im Osten des tadschikischen Pamir-Gebirges definiert sich das Verhältnis von Enge und Weite neu. Die Hochebene ist von Bergen umgeben, von Fünftausendern und Sechstausendern, doch sie sind so weit entfernt, dass der Horizont trotzdem unendlich wirkt. Nur eine Straße durchquert diese unwegsamen Bergregion: Unter Stalin wurde sie von Sowjetsoldaten in die Steinwüste gebaut, und als “Pamir-Highway” hat sie Eingang in die Reiseführer der europäischen und amerikanischen Abenteurer gefunden. Ein “high way” ist sie im wörtlichen Sinne - 4.700 Meter hoch ist der höchste der Pässe, die sie überquert, und damit beinahe auf Augenhöhe mit der Bergspitze des Mont Blanc, zu der Europa mit wohligem Schauder aufzublicken pflegt. weiter…

Randnotizen zu den chinesisch-zentralasiatischen Beziehungen

14. November 2009

china-in-kyrgyzstan-01Aus den Schornsteinen der Hirtenzelte steigt Rauch auf – ein neuer Tag bricht an, und in den Zelten wird das Frühstück zubereitet. Immer wieder wird die Straße von Viehherden versperrt, durch die sich die Autos erst einen Weg bahnen müssen, oder von Stroh, das zum Trocknen ausgebreitet ist. Kirgisische Männer traben auf Eseln oder Pferden am Straßenrand entlang, kirgisische Frauen schleppen blecherne Wassereimer, und sie alle werden von Lastwagen überholt, deren Kennzeichen verrät, dass sie aus der chinesischen Westprovinz Xinjiang kommen. Auf den ersten Kilometern fahren wir durch zahlreiche grüne Dörfer, doch je näher wir dem ersten Pass kommen, desto einsamer und grauer wird die Welt um uns herum. Die Straße führt von der kirgisischen Stadt Osh aus nach Süden und wird sich irgendwann gabeln: Rechts geht es nach Tadschikistan, links nach China. weiter…

Entlang der Grenze

1. November 2009

khorog-in-autumn-1Blätter fallen. Khorog, die Provinzhauptstadt Gorno-Badakhshans, ist zum Farbenmeer geworden. Grün-gelb-rot schillern die Pappeln und Weiden, die das Stadtbild prägen, und schneebedeckt sind die Berge auf der afghanischen Seite des Flusses Pjandsch. Es ist Herbst geworden im tadschikischen Pamir-Gebirge. Nachts streben die Temperaturen unerbittlich dem Gefrierpunkt entgegen, und tagsüber vermögen die Sonnenstrahlen nur noch acht Stunden lang für angenehme Wärme zu sorgen. Vielleicht ist dies einer der letzen Sonntage, bevor es auch tagsüber bitterkalt wird, und Viele nutzen die Gelegenheit, noch einmal einen Nachmittag draußen auf der Straße zu verbringen. weiter…

Im Fergana-Tal

31. Oktober 2009

fergana-valley-1Langsam ziehen sich die Berge zurück, die für Kirgisistan so typisch sind. Gelbliche Hügel, bedeckt mit vertrocknetem Gras, und dörferreiche Ebenen prägen nun die Landschaft; auf den Feldern wird gerade die Ernte eingebracht. Die Straße, welche die beiden Großstädte Kirgisistans – Bishkek im Norden und Osh im Süden – miteinander verbindet, führt in einem weiten Bogen um den spitzen usbekischen Keil herum, der sich in das Territorium Kirgisistans schiebt. Im breiten Fergana-Tal, der fruchtbarsten und bevölkerungsreichsten Region und der Brutstätte des politischen Islamismus in Zentralasien, sind drei Länder ineinander verkeilt: Die hier gelegenen Provinzen Usbekistans, Kirgisistans und Tadschikistans sind so ineinander geschoben, dass sie geographisch vom Rest ihres jeweiligen Landes isoliert sind – ein Erbe stalinistischer Nationalitätenpolitik der 1920er Jahre. weiter…

Auf dem Bazaar in Osh

17. Oktober 2009

osh-bazaar-3Der Markt scheint sich kilometerweit hinzuziehen. Dass er nicht am Reißbrett entworfen worden, sondern dynamisch gewachsen ist, zeigt sich an seiner Form: Während einige der Marktstände in festen Gebäuden untergebracht sind, sind andere auf überdachten Betonflächen oder unter freiem Himmel aufgebaut, und wieder andere ducken sich in Metallcontainer. Eine Struktur hat der Markt trotzdem: Es gibt eine Halle für Geschirr und Haushaltswaren, eine andere für Heimwerkermaschinen, eine Gasse für Kleidungsartikel und einen Straßenabschnitt für Schreibwaren. weiter…

Abendspaziergang durch Bishkek

3. Oktober 2009

bishkek-1Bishkek ist eine grüne Stadt, und es ist eine graue Stadt. Es ist eine Stadt voller Alleen und Parks, und es ist eine Stadt voller Betonbauten und Denkmäler. Im Zentrum der Hauptstadt Kirgisistans steht das „Weiße Haus“, ein monumentaler Klotz aus weißem Marmor, der Sitz der Regierung. Direkt dahinter beginnt der Panfilov-Park, der nicht nur eine der grünen Lungen der Stadt ist, sondern auch eine Art Freizeitpark, mit Karussells und Imbissbuden und Volksfestmusik. weiter…

Die Metropole Kasachstans

28. September 2009

almaty-werbung-2Weiß wirkt die Welt beim Blick aus dem Fenster. Schneebedeckte Berggipfel prägen den Blick nach unten. Plötzlich öffnet sich eine weite, städtereiche Ebene, durch die ein glitzernder Fluss mäandriert. Noch einmal folgt eine weiße Bergkette, dann liegt unter uns die weite Steppe Kasachstans. Braun und abweisend ist ihre Erde, zerklüftet durch Hügel und Flussbette. Grüne Äcker künden vom Nahen der großen Stadt, Autobahnen und ein Meer von Plattenbauten ziehen vorbei. Als das Fahrgestell ausgefahren wird, scheint das Flugzeug gefährlich nach vorne zu kippen, dann aber setzt es trotzdem sicher auf. Air China, Air Astana, Lufthansa Cargo – auf diesem Rollfeld geben sich die Piloten der großen Airlines der Welt die Klinke in die Hand. Die Glasfassaden des Flughafengebäudes wirken modern und steril, und dazu passen auch die sauberenToiletten und die rasche Abfertigung. weiter…

Mailand in Dushanbe

20. September 2009

oper-1Die ganze Stadt scheint voller Fahnen zu sein. Sie stehen in Bündeln zusammen neben den großen Plätzen, an öffentlichen Gebäuden hängen große Banner, und nachts leuchten über der Hauptstraße Lichtergirlanden in den Landesfarben Rot-Weiß-Grün. Tadschikistan bereitet sich auf den Unabhängigkeitstag am 9. September vor: Achtzehn Jahre ist es her, dass die Sowjetunion zusammenbrach und die einstige Sowjetrepublik Tadschikistan zur unabhängigen Republik Tadschikistan wurde, die Wirtschaft des allein kaum lebensfähigen Landes kollabierte und sich am Horizont das Wetterleuchten des nahenden Bürgerkriegs zeigte. Deshalb hängt jetzt in der Hauptstadt Dushanbe ein Plakat mit der Aufschrift: „18 Jahre – Glückwunsch zum Fest der Unabhängigkeit, liebe Landsleute“. weiter…

Auf dem Pamir-Highway

31. August 2009

murgab-4Groß ist Murgab nicht. Aber trotz seiner nur rund 5.000 Einwohner ist es die größte Stadt im östlichen Teil des tadschikischen Pamir-Gebirges. Von hier aus führt der Pamir-Highway in Richtung Westen nach Khorog, in die Hauptstadt des Autonomen Gebiets Gorno-Badakhshan. Auf der Rückseite eines Containers hinter dem Bazar steht es geschrieben: „Khorog“. Davor, auf einem staubigen Platz, sammeln sich im Lauf des Morgens einige Tangems, kleine Minibusse mit schmalen Reifen. Seit dem Massenimport aus China vor wenigen Jahren sind sie das Hauptfortbewegungsmittel im Pamir, obwohl eigentlich auf den ersten Blick zu erkennen ist, dass sie nicht für Hochgebirgsregionen mit schlechten Straßenverhältnissen geeignet sind. weiter…

China entgegen

31. August 2009

murgab-2Geradeaus geht es nach Kirgisistan, rechts geht es nach China. Bis zum Kulma-Pass, auf dem der Grenzübergang zwischen Tadschikistan und China liegt, sind es 90 Kilometer. So verrät es ein Schild am Straßenrand, das auf die Abzweigung vom Pamir-Highway hinweist und auf dem sich die Buchstaben nur noch mit Mühe entziffern lassen. Hinter mir liegt Murgab, eine Kleinstadt auf 3600 Meter Höhe im wilden Osten Tadschikistans. Die flachen weißen, schmucklosen Häuser dort sind nicht für die Ewigkeit gebaut, und auf den wenigen Straßen sind kaum Fahrzeuge unterwegs; entlang des Flusses wächst Gras, ansonsten ist die Hochebene nahezu vegetationslos. Die Menschen wirken vor dem Hintergrund der graubraunen Bergkulisse einsam und verloren, selbst wenn sie in Gruppen unterwegs sind; manche von ihnen haben sich mit einem Tuch vor dem Mund vermummt, während der Wind den Staub vor sich hertreibt. Der Bazar besteht aus einer bröckelnden Betonmauer mit rostender Überdachung, die Geschäfte sind in metallenen Containern am Rande der Schotterstraße untergebracht. Nicht lokale Handwerkskunst schmückt die Wände der Gasthäuser, sondern große Plastikposter mit üppigen Obstkörben oder blühenden Lotusgärten, die von einer besseren Welt erzählen. weiter…

In einem Guesthouse in Murgab

31. August 2009

murgab-1Murgab liegt auf 3.600 Meter Höhe. Mit 5.000 Einwohnern ist es der einzige größere Ort entlang des Pamir-Highway zwischen dem tadschikischen Khorog und dem kirgisischen Osh. Diese Straße, die durch eines der höchsten Gebirge der Welt führt, ist ein Nadelöhr für die Abenteurer des 21. Jahrhunderts auf ihrem Weg von Ost nach West und von West nach Ost. Auf ihren Mountainbikes und mit ihrer Hightech-Ausrüstung aus den Laboren Europas und Nordamerikas ringen sie den Bergpässen und Staubpisten Kilometer um Kilometer ab, um von Peking nach Istanbul zu gelangen oder von Samarkand nach Delhi. Hier in Murgab machen sie Station, um nach einigen Nächten im Zelt endlich wieder den Luxus von warmem Wasser zu genießen und mit Hilfe des einzigen Internetanschlusses im Ort Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. weiter…

Begegnung mit Afghanistan

30. August 2009

afghanischer-markt-1Am Brückenpfeiler auf der anderen Seite des Grenzflusses Pjandsch weht die schwarz-rot-grüne Fahne Afghanistans. Auch die bärtigen Männer in graubraunen Uniformen und Springerstiefeln, Walkie-Talkies und Handschellen am Gürtel und Schirmmützen auf dem Kopf tragen die Landesfarben Afghanistans am Ärmel. Jeden Samstag kommen sie über die Brücke hierher, auf die tadschikische Seite des Grenzübergangs unweit der Stadt Khorog, um ihre Waren feilzubieten oder zwischen den Marktständen herumzuschlendern: afghanische Händler und afghanische Uniformträger. weiter…

Das Fest des Aga Khan

30. August 2009

aga-khan-fest-1Gerüchte wabern durchs Land. Islamistische Kämpfer sollen sich aus Pakistan oder Afghanistan nach Tadschikistan durchgeschlagen haben. Regierungstruppen sollen sich unter dem Deckmantel einer Anti-Drogen-Operation Gefechte mit ihnen und mit oppositionellen Gruppen geliefert haben. Belastbare Informationen hat kaum jemand, doch plötzlich wird auch in westlichen Medien darüber spekuliert, wie anfällig Tadschikistan gegenüber der islamistischen Bedrohung ist und ob dort die Fronten des Bürgerkriegs der 90er Jahre wieder aufbrechen könnten. weiter…

Tag der Einheit

30. August 2009

tag-der-einheit-ishkashim-1Es ist der 27. Juni 2009. Tag der Einheit. Heute vor 12 Jahren wurde das Friedensabkommen unterzeichnet, das den verheerenden Bürgerkrieg beendete, der nach dem Zerfall der Sowjetunion um die Macht im nun unabhängigen Tadschikistan entbrannt war. Die Opposition legte die Waffen nieder und bekam dafür dreißig Prozent der Regierungsposten zugesprochen. Seitdem sind die Vertreter der einstigen Opposition längst ausgeschaltet oder von der Macht verdrängt worden. Trotzdem wird jedes Jahr der 27. Juni als Feiertag begangen, und deshalb marschiert jetzt eine große Parade durch das kleine Ishkashim, den südlichsten Kreishauptort Tadschikistans an der Grenze zu Afghanistan, umgeben von den hohen Bergen des Pamir-Gebirges. weiter…

Hochzeit im Pamir

30. August 2009

hochzeit-1„Wer von den Jungs ist denn eigentlich der Bräutigam?“ ist eine der Fragen, welche die Ausländer den einheimischen Gästen stellen. Vom Äußeren her hebt er sich tatsächlich nicht von den übrigen Anwesenden ab, der junge bärtige Mann in Jeans und einer schwarzen Trainingsjacke, der morgen heiraten wird. Ebenso wenig der Gastgeber der heutigen Feier, der Vater des Bräutigams, der kaum aktiv in Erscheinung tritt. Mit seinem Wollpullover über dem karierten Hemd und dem braunen Hut auf dem Kopf erinnert wenig an ihm an den hochrangigen Beamten, der er tatsächlich ist. weiter…

Durch Tadschikistan

30. August 2009

pamirstrasse-2Dushanbe ist keine Metropole. Das wird schnell deutlich, wenn man sie in Richtung Süden verlässt. Schon nach wenigen Kilometern erinnert nicht mehr viel daran, dass die Hauptstadt Tadschikistans mit ihren gut 500.000 Einwohnern hinter uns liegt, in der es mancherorts so wirkt, als wären die Uhren in der Sowjet-Moderne der achtziger Jahre stehen geblieben. weiter…